Davaa Byambasuren

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Schon als kleines Kind wollte ich Schauspielerin werden und ging in eine Kindertheatergruppe in Ulaanbaatar. Seitdem stand ich regelmäßig auf der Bühne, bis eines Tages eine Redakteurin vom Fernsehen kam und uns castete – sie suchte einen Kindermoderator für eine Kindersendung. Unter allen Bewerbern machte ich das Rennen! Damals gab es nur ein einziges Staatliches Fernsehen, was um 18:00 Uhr begann und pünktlich um 23:30 Uhr endete. Zwischendrin gab es eine halbe Stunde Kinderprogramm. Mir wurde klar, dass Hunderttausende Augen auf mich schauten – das machte mich sehr nervös. Von heute auf morgen war ich bekannt wie ein bunter Hund, und nichts war mehr wie zuvor. Ich wurde immer scheuer vor der laufenden Kamera und hängte schließlich meinen Traum von einer großen Schauspielkarriere an den Nagel. Stattdessen fing ich an, mich für das zu begeistern, in das ich beim Moderieren hineinglotzen musste. Mein neuer Traum war, Kamerafrau zu werden!

Nach meinem Schulabschluss ging ich an die Filmhochschule in Ulaanbaatar. Dort gab es genau eine einzige funktionierende russische Filmkamera “KONVAS“. Die war so heißbegehrt, dass man sie als Student nur selten zu sehen, geschweige denn in die Hand bekam. Aber wir haben viel fotografiert, obwohl wir nicht einmal Rollfilme hatten. Unsere Filmhochschule war auf dem Industriegelände der alten Kinofabrik angesiedelt. Filmrollen, wenn auch meist abgelaufene, gab es zu genüge. Die benutzten Kleinbildpatronen wurden hoch gehandelt. Wir haben sie auseinandergenommen und im Dunkelkammer per Hand aufgerollt. So konnten wir fotografieren, alles selbst entwickeln, und vor allem hatten wir sehr viel Spaß dabei! Nach vier Jahren schloss ich mein Studium ab.

Per Zufall kam ich über einen Studienfreund und seine Kontakte zur Hochschule für Film und Fernsehen in München (HFF) nach Deutschland. Zunächst wurde mir nur eine Gasthörerschaft genehmigt, später im Jahr 2001 wurde ich dann für den Studiengang Dokumentarfilmregie aufgenommen. Am Anfang war das Studium die reinste Katastrophe für mich. Ich konnte nur ein bisschen Deutsch, geschweige denn beherrschte ich den Fachjargon. Im ersten Semester haben wir uns ausführlich mit dem S/W Film beschäftigt. In dieser Zeit hatten mir meine unschätzbaren, haptischen Erfahrungen aus der Dunkelkammer sehr geholfen!

Und trotzdem möchte ich mich nicht als Fotografin bezeichnen! Obwohl, wie war das nochmal? “Heute ist jeder, der ein Handy besitzt, ein Fotograf.“ Na gut, so gesehen bin ich doch eine Fotografin!

(Ich bin Mitglied bei der “DEUTSCHE FILMAKADEMIE e.V. und Gesellschaft für Bild und Vortrag e.V.)

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